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Der Pokal geht nach Fernost

„Ich liebe dieses Turnier, ich liebe den Court in Altenkirchen und ich liebe deutsches Bier“, Shuyue Ma hat vom ersten Deutschlandbesuch in ihrem 19 Jahre langen Leben nur Gutes mitgenommen. Viele Eindrücke, 50 Weltranglistenpunkte, ein Preisgeld von 3935 Dollar und einen schicken Pokal. Die Chinesin gewann am Sonntagnachmittag das Finale der sechsten AK ladies open gegen Maryna Zanevska aus Belgien mit 6:4, 5:7 und 7:5. Es war ihr erster Turniersieg überhaupt im internationalen Tenniszirkus. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier gewinnen kann. Aber ich habe in jedem Spiel gekämpft und jetzt habe ich es“, jubelte die Nummer 321 der Weltrangliste bei der Siegerehrung.
Wieder schaffte es in der Kreisstadt eine Spielerin auf den Thron, mit der niemand gerechnet hatte. Im Finale gehörte Zanevska, an Position zwei gesetzt und die Nummer 189 im WTA-Ranking, auf dem Papier die Favoritenrolle, aber die spielt im Westerwald wie die vergangenen Jahre hinlänglich bewiesen haben, keine Rolle. „Großer Respekt vor Shuyue Ma. Sie hat super gespielt“, gratulierte Zanevska ihrer Widersacherin, war nach den Erfahrungen der Turnierwoche allerdings nicht enttäuscht über die Finalniederlage: „Es war ein schwerer Weg für mich. Ich hätte schon im Viertelfinale ausscheiden können.“ Und dann war da ja noch das Halbfinale am Samstag gegen die polnische Qualifikantin Maja Chwalinska, als sie zu Beginn des zweiten Satzes mit Kreislaufproblemen zu Boden ging. „Ich habe hart gekämpft, war froh, dass ich nicht in den dritten Satz musste und weiß nicht, wie ich den geschafft hätte.“
2:08 Stunden standen lang sich Ma und Zanevska vor der vollen Tribüne auf der Altenkirchener Glockenspitze im Finale gegenüber. Noch kein Endspiel zuvor bei den AK ladies open ging über drei Sätze, noch keines dauerte so lange, noch keines verlief so spannend. „Wir haben den krönenden Abschluss einer super Turnierwoche gesehen“, schwärmte Turnierdirektor Razvan Mihai. Der schon auf die siebte Auflage im Februar 2020 hinfiebert, für die der Weltverband ITF schon jetzt die Lizenz vergeben hat. „Notieren sie sich die AK ladies open am besten als Dauertermin im Kalender“, gab SRS-Gesamtleiter Hans-Günter Schmidts den Tennisfans mit auf den Weg.
Sie nahmen Eindrücke von einem Endspiel mit, das beide Spielerinnen hätten gewinnen können. Ma profitierte im ersten Satz von einem Break im zehnten und letzten Spiel zum 6:4, während in Durchgang Nummer zwei Zanevska zum 6:5 breakte und anschließend ihren Service zum Satzausgleich durchbrachte. Im Entscheidungssatz entwickelte sich ein munteres Break-Festival. Ma hatte beim Stand von 5:4 drei Matchbälle, konnte diese allerdings allesamt nicht nutzen. Zanevska servierte, als sie es musste stark und vertagte die Entscheidung. Die fiel drei Aufschlagspiele später. Die Chinesin verwertete ihre vierte Möglichkeit zum größten Erfolg ihrer Laufbahn, der sie in der Weltrangliste so weit nach vorne spülen wird, wie sie zuvor noch nie stand.
Die Reise der Turniersiegerin geht aus Altenkirchen weiter in Richtung Frankreich. Als nächstes schlägt sie in Macon auf. Ist dort um ihren ersten Turniergewinn und viele Erfahrungen reicher. Unter anderem die Erfahrung mit dem deutschen Bier. Noch auf dem Platz stießen Ma und SRS-Organisationsleiter Sigi Paulat bei der Siegerehrung an. Das Duell um den größeren Schluck entschied Ma für sich. Genauso wie das dramatische Endspiel zuvor.
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Ma und Zanevska im Finale

Mit 6:1 hatte Maryna Zanevska den ersten Satz gegen Maja Chwalinska im gestrigen Halbfinale der AK ladies open gerade für sich entschieden, und alles deutete auf einen relativ lockeren Einzug der Belgierin ins Finale hin, aber auf einmal stand alles auf der Kippe. Im ersten Aufschlagspiel des zweiten Durchgangs ging Zanevska mit Kreislaufproblemen zu Boden, nahm sich später noch eine Behandlungspause und biss anschließend auf die Zähne. „Es war heute sehr hart. Ich hatte in der Nacht von Freitag auf Samstag schon nicht gut geschlafen und fühlte mich am Morgen richtig schlecht. Aber ich gebe alles, um Tennis spielen zu können“, sagte die 25-Jährige nach ihrem Zwei-Satz-Sieg gegen Chwalinska. Wesentlich knapper als der erste endete der zweite Satz (7:5 im Tiebreak) – aber Zanevska war es am wichtigsten, dem dritten aus dem Weg gegangen zu sein, denn: „Ich hätte nicht gewusst, ob und wie ich den geschafft hätte.“

Dieser dritte Satz wäre möglicherweise die große Chance der erst 17-jährigen Qualifikantin Chwalinska gewesen, die versuchte, die angeschlagene Zanevska ins Laufen zu bringen. Wer dachte, die junge Polin wäre mit dem Erreichten froh, sah sich getäuscht. Mit Tränen in den Augen trat sie ans Mikrofon. „Ich kann besser spielen als ich es heute gezeigt habe und bin traurig, dass es nicht gereicht hat.“ Chwalinska bedankte sich bei den Altenkirchener Turniermachern – wie eigentlich alle Spielerinnen – für eine großartig organisierte Woche, machte jedoch auch deutlich, dass sie großen Ehrgeiz und Ambitionen hat. Ob sie nächstes Jahr wieder käme? „Ich würde lieber auf größerer Bühne, bei größeren Turnieren spielen“, sagte sie und schmunzelte. Die Tränen standen trotzdem weiterhin in ihren Augen.
Der Lohn für Maryna Zanevskas Durchhaltevermögen: Nachdem sie im vergangenen Jahr bereits krankheitsbedingt das Halbfinale aufgeben und das Doppel-Endspiel absagen musste, kann sie nun nach der großen Trophäe in Altenkirchen greifen. Zanevska und die Chinesin Shuyue Ma schließen die sechste Auflage des mit 25.000 Dollar dotierten Weltranglistenturniers ab. Ma, die im Westerwald ihr erstes Turnier in Deutschland absolviert, kennt Zanevska nicht – das Gleiche gilt in umgekehrter Richtung. „Aber wer hier im Finale steht, befindet sich in einer guten Verfassung“, erwartet die an Nummer drei gesetzte Belgierin mit ukrainischen Wurzeln einen umkämpften Turnierabschluss. Ma macht sich derweil keinen Kopf. Die 19-Jährige genießt es, so weit gekommen zu sein. „Ich werde versuchen gutes Tennis zu spielen. Im Halbfinale ist mir das gelungen. Auch, weil so viele Zuschauer da waren“, erzählt die junge Frau aus Peking und beginnt so freundlich und herzerfrischend zu lächeln, wie sie in den vergangenen Tagen in Altenkirchen die Herzen vieler im Sturm erobert hat. Shuyue Ma ist der Gute-Laune-Faktor auf den Courts des SRS-Sportparks, sie begeistert mit ihrer unbekümmerten, natürlichen Art. „Sie ist hier, um dazuzulernen und ihr Spiel weiterzuentwickeln. Wir schauen nicht auf die Ergebnisse“, erzählt Mas rumänischer Trainer Iulian Vespan, für den es inzwischen schon Tradition geworden ist, nach den Siegen seines Schützlings von diesem noch auf dem Platz herzlichst umarmt zu werden. „Er ist mein Trainer – mein guter Freund“, erzählt Ma. Wer beide sieht, bekommt sofort vor Augen geführt, dass diese Spielerin genau weiß, dass sie ihrem Trainer viel zu verdanken hat.
Auch nach der Vorschlussrundenpartie stürmte Ma auf Vespan zu, schloss ihn strahlend in die Arme, nachdem sie die Belgierin Marie Benoit mit 6:4 und 6:2 besiegt hatte. Benoit brachte nur zwei von neun (!) Aufschlagspielen durch und nutzte ihrerseits lediglich 4 von 13 Breakchancen. Ma war konsequenter. Sie verwertete sieben von neun Chancen, ihrer Gegnerin den Service abzunehmen. „Sie hat gut und druckvoll gespielt“, sprach Benoit der Chinesin einen verdienten Sieg zu.

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Busca und van der Hoek gewinnen

Der letzte Ball des Doppelendspiels von Altenkirchen passte symbolisch für die komplette Begegnung ganz knapp über die Netzkante. Mit 5:7, 6:3 und 12:10 im Match-Tiebreak setzten sich Rosalie van der Hoek (Niederlande) und Cristina Bucsa (Spanien) gegen Marie Benoit (Belgien) und Katarzyna Piter (Polen) durch. „Es war sicherlich kein gutklassiges Finale. Aber wir freuen uns natürlich sehr über den Sieg“, sagte van der Hoek, die den dritten Matchball per Netzroller verwertete. Van der Hoek war seit der ersten Runde von Oberschenkelproblemen gehandicapt, kämpfte sich allerdings durch.
Ihre im Alter von drei Jahren aus Moldawien nach Spanien umgesiedelte Mitstreiterin Bucsa hat auf der Glockenspitze das siebte ITF-Finale ihrer Karriere bestritten. „Es war mein schönstes“, ordnete sie den Erfolg ganz weit oben ein in ihrer Erfolgsliste ein. Die Unterlegenen, die ihr erstes Turnier als Doppel absolvierten, haderten. „Das war heute nicht unsere beste Leistung“, so Marie Benoit.

Rene Weiss

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Benoits Aufholjagd mit Beinen und Kopf

Die sechste Auflage der „AK ladies open“ biegt auf die Zielgerade ein. Jeweils ab 13 Uhr beginnen auf dem Center Court des SRS-Sportparks am heutigen Samstag und morgigen Sonntag die vier letzten Partien des Frauentennis-Weltranglistenturniers in Altenkirchen. Der Weltverband ITF will es so, dass Doppelendspiele seit diesem Jahr bereits samstags ausgetragen werden. Hinzu kommen die beiden Halbfinals der Einzelkonkurrenz, deren Siegerin am Sonntag feststeht.
Eine Spielerin hat die Möglichkeit, den Inhalt ihrer Vitrine mit gleich zwei weiteren Trophäen aufzustocken: Marie Benoit. Die Belgierin bestreitet heute nicht nur das Doppelfinale (ab 16.30 Uhr) an der Seite von Katarzyna Piter gegen Cristina Bucsa und Rosalie van der Hoek aus Spanien und den Niederlanden, sondern steht nach einer Moralleistung erster Klasse auch im Einzel-Halbfinale.
Auf einmal hatte es die 23-Jährige am Freitagnachmittag ganz eilig. Im Laufschritt holte sie sich während ihres letzten Aufschlagspiels die Bälle für den Service. Die Eupenerin hatte gerade einen Orkan an Rückenwind und wollte diese gute Phase nutzen, um die Partie erfolgreich zu Ende zu führen. Sie schaffte es. Sharazad Reix, Benoits Gegnerin aus Frankreich, zollte fair Respekt, nachdem die Belgierin ihren zweiten Matchball verwandelt hatte: „Bien joué!“ „Gut gespielt.“
Dabei sah es für die Nummer 280 der aktuellen Weltrangliste zunächst überhaupt nicht gut aus. Der erste Satz lief völlig an Benoit vorbei, sie gewann kein einziges Spiel. „Man muss immer an sich glauben, sonst hat man schon verloren. Es konnte ja eigentlich nur besser werden als im ersten Satz. Beine und Wille im Kopf wurden im Laufe des Spiels besser bei mir. Ich habe mich gepusht. Das half“, verriet die Siegerin, wie sie das Blatt wendete und die Durchgänge Nummer zwei und drei jeweils mit 6:1 für sich entschied.
Benoits Halbfinalgegnerin wird heute ab 13 Uhr die Chinesin Shuyue Ma sein. Sie kam als mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt nach Altenkirchen und avancierte zu den Entdeckungen der Turnierwoche. Am Donnerstag schaltete sie die Schweizer Qualifikantin Susan Bandecchi mit 6:3 und 6:3 aus. Die 19-jährige Ma und ihr Trainer Iulian Vespan lagen sich auf dem Platz in den Armen, strahlten um die Wette, ihnen Stand bereits die Vorfreude auf die nächste Begegnung in den Augen. „Shuyue Ma hat im Laufe der Woche sehr überzeugt. Ihr ist auch zuzutrauen, dass sie es ins Finale schafft“, glaubt Turnierdirektor Razvan Mihai, der sich genauso angetan zeigte vom Auftritt Stefania Rubinis, die in der Night-Session am Donnerstagabend Anna-Lena Friedsam ausschaltete. „Was Rubini in dieser Partie gespielt hat, war Wahnsinn. Ich habe gehofft, dass sie irgendwann nachlässt, aber sie tat es nicht“, sagte Friedsams Trainer Sascha Müller. Auch die Oberdürenbacherin selbst schwärmte in höchsten Tönen von Rubinis Leistung: „Das war nicht das Niveau eines 25 000-Dollar-Turniers, sondern eher wie zweite Runde bei den US Open.“ Gegen die polnische Qualifikantin Maja Chwalinska war allerdings Endstation für Rubini (3:6, 4:6). Nach Ma und Benoit gehen zum zweiten Halbfinale Chwalinska und Maryna Zanewska, die gestern Katharina Hobgarski bezwang, auf den Platz.
Während den Einzelspielerinnen noch zwei Siege zum Turniersieg fehlen, sind die Doppel Katarzyna Piter/Marie Benoit und Albina Khabibulina/Julia Wachaczyk nur noch einen davon entfernt. Piter könnte die erste Spielerin in Altenkirchen sein, die ihren Titelverteidigt. Im Vorjahr gewann sie gemeinsam mit der Lettin Diana Marcinkevica das Endspiel kampflos, weil Maryna Zanevska krankheitsbedingt passen musste, heute versucht sie nachzulegen. 16 Doppelturniere der 25 000-Dollar-Kategorie hat die 28-Jährige in ihrer Karriere bereits gewonnen, drei davon alleine im vergangenen Jahr. „Weil wir vorher noch nie gemeinsam gespielt haben, war es im ersten Spiel noch etwas kompliziert, aber dann haben wir uns besser kennengelernt. Seitdem funktioniert es gut“, sagt ihre Doppelpartnerin Benoit.
Rene Weiss
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Reform-Kritik zieht große Kreise

Reform-Kritik zieht große Kreise

Mittwochnachmittag auf der Altenkirchener Glockenspitze: Auf dem Center-Court spielt die Tschechin Magdalena Pantuckova, nebenan hinter der Tribüne versucht sich Nefisa Berberovic aus Bosnien-Herzegowina an Marie Benoit aus Belgien. Wenige Meter weiter, im angrenzenden SRS-Sporthotel, steht Katharina Gerlach zum Zeitvertreib am Miniatur-Billardtisch. Gerlach wartet – auf ihre Chance, als „Lucky-Loser“ der dritten Qualifikationsrunde im Falle einer spontanen Absage vielleicht doch noch ins Hauptfeld der „AK ladies open“ zu rutschen. „Ein bisschen warte ich noch. Dann reise ich ab.“
Nach dem Reglement der Vorjahre wäre die 21-Jährige nur haarscharf am 32er-Hauptfeld vorbeigeschrammt, inzwischen rückt der direkte Einzug ins Hauptfeld in größere Ferne. Nicht, weil Gerlach sich verschlechtert hätte – im Gegenteil. Gegenüber Ende 2017 steht sie in der Weltrangliste 30 Positionen weiter oben, aktuell auf Rang 349. Und trotzdem wird es immer schwieriger, seinen Platz zu finden, weil die ITF seit Jahresbeginn Turnieren der Altenkirchener Größenordnung nur noch 17 Spielerinnen (und damit fünf weniger als bis 2018) die Möglichkeit einräumt, über die Weltrangliste reinzukommen. Stattdessen wird einem Quintett „auf die Sprünge geholfen“, das im neuen ITF-Ranking punktet. Diese Wertung berücksichtigt bei mit bis zu 15 000 Dollar dotierten Turnieren gesammelte Zähler. „Gerade junge Spielerinnen sollen so die Möglichkeit bekommen, es in Felder zu schaffen“, erklärt Patrick Mackenstein, der Supervisor der „AK ladies open“.
In Altenkirchen haben sich Anastasiya Shoshyna (Ukraine), Lara Salden (Belgien), Nefisa Berberovic (Bosnien-Herzegowina), Oana Georgeta Simion (Rumänien) und Magdalena Pantuckova (Tschechien) über das ITF-Ranking qualifiziert. Dass sie ihre Chance durchaus verdient haben, machten Shoshyna und Salden am Dienstag deutlich, die ihre in der Weltrangliste 400 Plätze besser positionierten Gegnerinnen Cristina Bucsa (Spanien) beziehungsweise Natalija Kostic (Serbien) nach großem Kampf bezwangen, während Berberovic, Simion und Pantuckova in der ersten Runde scheiterten. Für Spielerinnen wie Shoshyna, die gegen Bucsa zwei Matchbälle abwehrte und nach 2:50 Stunden als Siegerin feststand, ist die neue Chance ein Segen auf dem möglichen Weg nach oben.
Aber es gibt auch die Kehrseite der Medaille. „Ich höre momentan bei diversen Turnieren überall immer wieder, dass sich Spielerinnen beklagen, über die Weltrangliste nicht mehr in die Felder zu kommen“, berichtet Supervisor Mackenstein. „Gerade jetzt in dieser Jahreszeit gibt es nur wenige Turniere. Da ist es besonders hart“, bewertet Katharina Gerlach die neuen Regelungen sehr kritisch und ist damit bei weitem nicht allein: „Ich höre kaum jemanden, der es anders einschätzt. Wir Spielerinnen äußern uns auf sozialen Netzwerken hierzu deutlich und hoffen, bei der ITF Gehör zu finden, haben auch schon Briefe an die ITF geschickt.“ Die Essenerin bezieht sich mit ihren deutlichen Worten nicht nur auf das neue ITF-Ranking, sondern auch auf die kleineren Qualifikationsfelder und die Neuerung, dass das Einzelranking in der Einstufung von Doppelkonkurrenzen maßgebend ist. „Für Doppelspezialistinnen, bei denen es auf ganz andere Fähigkeiten ankommt, ist diese Situation schwierig. Sie haben sich alles erarbeitet, und dann stellt sich die Frage: Was machst du aus deiner Karriere?“
Den Weg, vermehrt auf 15 000-Dollar-Turniere zu setzen, schließt Katharina Gerlach für sich aus, denn: „Da gibt es keine Punkte für die Weltrangliste, und dieses Ranking will man ja nicht aufs Spiel setzen. Es bleibt nur zu hoffen, bei 25 000er- und 60 000er-Turnieren reinzukommen. Man fragt sich, ob man es riskiert und anreist oder nicht.“ Wie es für die 21-Jährige weitergeht? „Ich habe für das Rasenturnier ab dem 4. März in Mildura in Australien gemeldet. Sonst komme ich momentan nirgendwo rein.“ Australien bedeutet aber auch wieder hohe Reisekosten…

AK Ladies Open,   21.02.2019  -  Halbfinale Doppel, Elena Bogdan (ROU)/Shuyue Ma (CHN) vs. Marie Benoit (BEL)/Katarzyna Piter (POL) (6:7 / 6:7)

Benoit und Piter im Doppelfinale

Die ersten beiden von sechs Finalistinnen der AK ladies open stehen seit Donnerstagabend fest: Marie Benoit und Katarzyna Piter aus Belgien und Polen entschieden das spannende erste Doppelhalbfinale gegen Shuyue Ma/Elena Bogdan (China/Rumänien) durch zwei gewonnene Tie-Breaks mit 7:6 und 7:6 für sich. Ihre Gegnerinnen werden am Freitag zwischen Albina Khabibulina/Julia Wachaczyk und Cristina Bucsa/Rosalie van der Hoek ermittelt. Beide Paarungen gewannen ihr Viertelfinale im Champions-Tie-Break.

Im Einzel ist derweil Katharina Hobgarski die einzige verbliebene deutsche Kandidatin auf den Turniersieg in Altenkirchen, der zuletzt 2015 im eigenen Land blieb. Damals gewann die Hamburgerin Carina Witthöft. Hobgarski gab in zwei Sätzen lediglich fünf Spiele ab und gab der Belgierin Lara Salden (6:2, 6:3) ähnlich deutlich wie bei ihrem ersten Aufeinandertreffen im Vorjahr auf Sand in Frankreich das Nachsehen. Die Night-Sessions sind in Altenkirchen zwar gut besucht, für die DTB-Vertreterinnen jedoch keine Erfolgsgeschichte. Ein Tag nach dem überraschenden Ausscheiden von Antonia Lottner musste sich auch die Oberdürenbacherin Anna-Lena Friedsam aus dem Turnier verabschieden. Friedsam verlor mit 3:6 und 3:6 gegen die Italienerin Stefania Rubini. Auch Qualifikantin Stephanie Wagners Weg endete, sie war chancenlos gegen Maryna Zanevska.
Die Reihe der gesetzten Spielerinnen verkürzte sich in der 2. Runde um zwei Namen: Isabella Shinikova (Bulgarien) schied gegen Shuyue Ma aus China aus (4:6, 6:2, 4:6), die Nummer drei der Setzliste, Valentina Ivakhnenko aus Russland, konnte von ihrer 1:0-Satzführung gegen Marie Benoit (Belgien) nicht profitieren und verlor die beiden folgenden Durchgänge mit 2:6 und 0:6.
Vorjahressiegerin Harriet Dart könnte eine Nachfolgerin bekommen, die genauso wie die Britin aus der Qualifikation kommt: Susan Bandecchi und Maja Chwalinska können die Story der durchstartenden Qualifikantinnen fortschreiben. Auch sie stehen im Viertelfinale.

Rene Weiss

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Hobgarski hat 2019 noch einiges vor

Katharina Hobgarskis Gesichtsausdruck war leicht süß-sauer, als sie ihre Ansetzung für ihr Erstrundenspiel am gestrigen Mittwoch erfuhr. „Nicht vor 17 Uhr auf dem Center Court“ stand auf dem Spielplan von Supervisor Patrick Mackenstein. 17 Uhr im Februar – das bedeutet einsetzende Dunkelheit. Bei den „AK ladies open“ wird zwar bekanntermaßen unter dem Hallendach Tennis gespielt, trotzdem störte die Nummer sechs der Setzliste die relativ späte Uhrzeit. Warum?
Hobgarski unternimmt bei der Erklärung einen Ausflug in die Welt der Optik und Augenkunde: „Die Beleuchtung in der Halle wirkt viel heller, wenn von draußen kein Licht mehr durch die Scheiben fällt. Und wenn dann auch noch, so wie in Altenkirchen, der Bodenbelag relativ hell ist, habe ich wegen des geringen Kontrasts Schwierigkeiten, den Ball zu erkennen. Ich muss mich extrem anstrengen“, erklärt die Saarländerin. Diese Probleme habe sie neulich schon bei einem Turnier in Frankreich gehabt.“
Dunkelheit draußen hin oder her: Ihr Erstrundenspiel gegen die französische Qualifikantin Priscilla Heise gewann Hobgarski gestern in drei Sätzen mit 6:3, 3:6 und 6:1. Insgesamt sei die 21-Jährige, die im Dezember in Altenkirchen den Rheinland-Pfalz-Cup souverän für sich entschied, mit ihrem Auftritt gegen Heise zufrieden gewesen, trotzdem hätte sie gerne früher als Siegerin festgestanden: „Ich habe im zweiten Satz sehr viele Chancen liegen lassen. Der dritte Satz wäre nicht nötig gewesen.“
Auch mit dem Aufschlag haderte Hobgarski ein wenig, insbesondere mit einer Serie von drei Doppelfehlern in Folge genau in diesem besagten zweiten Durchgang. „Aber ich musste auch mit dem zweiten Service Risiko gehen, weil meine Gegnerin viel Druck ausgeübt hat. Ich wollte nicht Gefahr laufen, einen Return kassieren.“
Ihr Zweitrundenspiel gegen die Belgierin Lara Salden darf Hobgarski, die in diesem Jahr schon zum vierten Mal an den AK ladies open teilnimmt, am heutigen Donnerstag früher ab 15 Uhr austragen. Das Lichtproblem sollte sich damit diesmal nicht stellen.
Salden, die sich über das neu eingeführte ITF-Ranking für das Altenkirchener Hauptfeld qualifizierte, überraschte am Dienstag mit ihrem Drei-Satz-Sieg über die Kroatin Natalija Kostic. Hobgarski und Salden kennen sich, haben im März des vergangenen Jahres beim 15 000-Dollar-Turnier im französischen Amiens schon einmal gegeneinander gespielt. „Damals habe ich in zwei Sätzen relativ deutlich gewonnen“, erinnert sich Hobgarski, schiebt aber direkt hinterher: „Das war auf Sand. Den Teppich, auf dem wir hier in Altenkirchen spielen, gibt es bei keinem anderen Turnier. Das ist ungewohnt und macht jeden Gegner gefährlich.“
Als das Mitglied des Porsche-Talent-Teams, in dem die größten Talente des deutschen Tennis‘ eine besondere Förderung erfahren, im Dezember ihre Ziele für 2019 definierte, hieß es „den Durchbruch“ zu schaffen. Den Jahresauftakt hatte sie sich besser vorgestellt. Eine Oberschenkelverletzung bereitete ihr nach der deutschen Meisterschaft Probleme. „Ich hatte ein Taubheitsgefühl. Die erste Diagnose lautete Muskelriss, aber verschiedene Untersuchungen brachten kein Ergebnis“, erzählt sie. Die Folge: Hobgarski konnte lediglich zwei Turniere in Frankreich (Andrezieux-Boutheon und Grenoble) bestreiten. Inzwischen ist die Verletzung ausgestanden. Gute Voraussetzungen, um in Altenkirchen gut abzuschneiden. „Ich denke nach der Verletzung von Spiel zu Spiel“, sagt Hobgarski. Mit dem Blick auf den Rest der Saison hat sie noch einiges vor. Das im Dezember auf den Tisch gebrachte Wort „Durchbruch“ kehrt zurück. „Ich will die Qualifikation für die French Open sowie Wimbledon schaffen und am Jahresende unter den besten 150 oder 100 der Weltrangliste stehen.“

Rene Weiss

Lottner

Lottner muss Ambitionen begraben

Auch im Jahr 2019 wird die Nummer eins der Setzliste nicht die Siegertrophäe der „AK ladies open“ mitnehmen. Am Mittwoch schieden mit Antonia Lottner sowie dem Doppel Akgul Amanmuradova/Valentina Ivakhnenko aus Aserbaidschan und Russland die laut Papier Favoriten in beiden Konkurrenzen aus. Lottner verlor in der Night-Session gegen die 30-jährige Rumänin Laura-Ioana Andrei in zwei Sätzen nach nur 80 Minuten mit 4:6 und 2:6, während Amanmuradova/Ivakhnenko gegenüber der rumänisch/chinesischen Kombination Elena Bogdan/Shuyue Ma das Nachsehen hatten (1:6, 4:6). Ma und Andrei sind zwei von vier Spielerinnen, die sich sowohl im Einzel als auch im Doppel noch im Rennen befinden. Das Gleiche gilt für die Belgierin Marie Benoit und Katharina Hobgarski.
Die im Topspiel des Tages unterlegene Lottner hatte vor der Partie zwar gewarnt, dass ihre Gegnerin Andrei durch die beiden bereits absolvierten Qualifikationspartien schon über mehr Praxis auf dem Altenkirchener Teppich verfügt, sich ihren Erstrundenauftritt aber trotzdem ganz anders ausgemalt. „Der Sieg war Lauras Verdienst. Bei mir kehrte Frust ins Spiel ein, und dann habe ich die Kurve nicht mehr bekommen. Als Nummer eins der Setzliste wollte ich beweisen, erst recht vor heimischem Publikum. Da herrschte schon etwas Druck. Trotzdem muss ich damit umgehen können“, sagte Lottner, die an gleicher Stelle vor vier Jahren im Endspiel stand und gegen Carina Witthöft unterlag, kurz nach ihrer Niederlage.
Die siegreiche Andrei ging einigermaßen entspannt in die Partie: „Ich habe heute zu keinem Zeitpunkt an Sieg oder Niederlage gedacht. Ich wollte gegen eine ausgezeichnete Spielerin wie Antonia Lottner gutes Tennis zeigen. Das ist mir gelungen. Dass es dann so gut gelaufen ist, hat mich aber überrascht. Jetzt möchte ich auch so gut es geht weiterspielen.“
Rene Weiss
Anna-Lena Friedsam steht in der zweiten Runde.

Friedsam genießt und gewinnt das Heimspiel

Die erste Hoffnung des Deutschen Tennis-Bundes auf einem Heimsieg bei den „AK ladies open“ hat ihre AuftaktHürde gemeistert. Anna-Lena Friedsam aus Oberdürenbach im Kreis Ahrweiler schlug am ersten Hauptrundentag des Frauentennis-Weltranglistenturniers in Altenkirchen in der Night-Session vor toller Kulisse die 19-jährige Niederländerin Annick Melgers in zwei Sätzen mit 6:3 und 7:5. „Ich bin es nicht gewohnt, auf Teppich zu spielen. Deshalb war es keine einfache Aufgabe, zumal Annick gut aufgeschlagen hat. Jetzt bin ich aber zunächst einmal froh, dass ich das Spiel gewonnen habe. Die Kulisse war toll“, sagte die Siegerin, die auf der Tribüne im SRS-Sportpark neben Familie und Freunden auch viele weitere bekannte Gesichter sah. „Schön, dass ihr mich unterstützt habt. Jetzt hoffe ich, dass es in den nächsten Tagen mit Siegen für mich weitergeht.“
Auch ihre junge Gegnerin saugte die Atmosphäre in vollen Zügen auf: „Ich habe noch nie ein Spiel in einer Night-Session absolviert – mit Musik und Scheinwerfern beim Einlaufen. Das war fantastisch. Und dann noch die vielen Zuschauer, die auch wegen mir da waren“, schwärmte Melgers, die ihr Potenzial zweifelsfrei andeutete, der es aber noch an der Konstanz über die gesamte Dauer des Matches fehlt. „Anna-Lena war bei den Bigpoints besser“, nannte Melgers einen wesentlichen Unterschied zwischen ihr und der Favoritin.
Vor Friedsam stand unter anderem bereits Lena Rueffer auf dem Hauptplatz. Die 20-Jährige steht derzeit auf Weltranglistenplatz 323, so weit vorne wie noch nie zuvor in ihrer Laufbahn. Und es sah zunächst danach aus, als sollte sie ihren Höhenflug auch im Westerwald fortsetzen können. Rueffer gewann den ersten Durchgang gegen Vorjahreshalbfinalistin Maryna Zanevska mit 6:1. Dann drehte die Belgierin jedoch den Spieß um, während Rueffer mit einer Außenbandverletzung im linken Fuß zu kämpfen hatte. Zanevska schnappte sich die beiden nächsten Durchgänge mit 6:2 und 6:1 und zog in die nächste Runde ein.
Den Marathon des Tages lieferten sich die Ukrainerin Anastasiya Shoshyna und Cristina Bucsa aus Spanien. Shoshyna wehrte im entscheidenden dritten Satz Matchbälle ab und behielt schließlich im Tiebreak noch die Oberhand. Nach 2:50 Stunden hieß es 6:7, 6:4 und 7:6 für sie.Rene Weiss

Anna Lena Friedsam

Friedsam: Freue mich auf jedes Spiel

Anna-Lena Friedsam hatte ihr Turnierschicksal am Montagnachmittag im SRS-Sporthotel auf der Altenkirchener Glockenspitze in der eigenen Hand: Gemeinsam mit der Chinesin Shuyue Ma spielte die ehemalige Nummer 45 der Weltrangliste, die nach ihrer langen Verletzungspause derzeit eine geschützte Platzierung von Position 50 inne hat, bei der Hauptfeld-Auslosung der sechsten Auflage der „AK ladies open“ unter Anleitung von Turniersupervisor Patrick Mackenstein „Glücksfee“.

Es passte, dass Ma und Friedsam jeweils ihren eigenen Namen zogen und somit selbst ihren Erstrundengegner bestimmten. Die Oberdürenbacherin, die beim Frauentennis-Weltranglistenturnier in der Kreisstadt (heute beginnen die ersten Erstrundenbegegnungen um 12 Uhr) mit einer Wild-Card spielt, loste sich die Niederländerin Annick Melgers zu. Ebenfalls eine Wild-Card-Inhaberin, 19 Jahre alt und auf der ITF-Tour bislang noch ohne Turniersieg im Einzel. „Ich kenne meine Gegnerin nicht, habe ihren Namen noch nie gehört und werde mir jetzt zuerst einmal ein paar Informationen über sie zusammensuchen“, kündigte die 24-Jährige an. Friedsam, die nach zwei Schulteroperationen mit nur einem kurzen Zwischen-Comeback 18 Monate lang pausieren musste und bei ihrer Rückkehr auf nationaler Ebene im Dezember die deutsche Meisterschaft gewann, wird am heutigen Dienstagabend ab 19 Uhr in der Night-Session auf dem Center Court des SRS-Sportparks gegen die junge Niederländerin antreten.
Die Trainingsintensität beträgt bei Friedsam bereits wieder 100 Prozent, die Matchpraxis muss sie sich in den nächsten Wochen erst noch zurückerarbeiten. „Ich bin sehr froh, wieder professionelle Matches zu spielen und das auszuüben, was mir am meisten Spaß bereitet“, freut sich die deutsche Hallenmeisterin.
Anna-Lena Friedsam spielt bei einem von Razvan Mihai organisierten Turnier – das gab es schon einmal: 2007 beim Auftakt der Wilson-Future-Challenge-Tour auf dem Molzberg in Kirchen zum Beispiel. Damals gewann das 13-jährige Talent aus Kreis Ahrweiler die U 14-Konkurrenz. Ob sie nun gut ein Jahrzehnt später in der Kreisstadt daran anknüpfen kann? „Der Meistertitel aus dem Dezember gibt mir auf jeden Fall Selbstvertrauen. Jetzt will ich in meinem Erstrundenmatch gut reinfinden und Stück für Stück wieder meinen Rhythmus finden. Ich rechne mir auch Chancen aus, weit zu kommen, weil ich weiß, was ich in der Vergangenheit bereits geleistet habe. Ich freue mich auf jeden Fall auf jedes Spiel, das ich in Altenkirchen bekomme. Für mich ist es eine große Motivation, meine Ziele vor Zuschauern aus der Region umzusetzen. Ich freue mich auf deren Unterstützung.“
Eine mögliche Konkurrentin im Kampf um den Turniersieg in Altenkirchen musste sich kurzfristig abmelden. Die an Nummer eins gesetzte Griechin Valentini Grammatikopoulou gab Turnierdirektor Razvan Mihai am Sonntagabend schweren Herzens Bescheid, dass sie nicht auf den Platz gehen kann. Eine Schulterverletzung setzt der Nummer 171 der Weltrangliste schon längere Zeit zu. Ihren Fed-Cup-Einsatz gegen die Türkin Berfu Cengiz musste sie genauso vorzeitig abbrechen wie ihre Erstrundenpartie gegen Jodie Anna Burrage beim 60 000-Dollar-Turnier im britischen Shrewsburry. Die 22-Jährige spürte beim Training, dass es keinen Sinn macht, im Westerwald nach dem Turniersieg zu streben. Durch Grammatikopoulous Absage rückt Antonia Lottner an die Spitze der Setzliste. Für die erste Runde erwartet Turnierdirektor Mihai nicht nur in den beiden Night-Sessions bei den Spielen von Friedsam und Lottner hochkarätiges Tennis. Mit dem Blick aufs Tableau verspricht er sich zum Beispiel von den Duellen zwischen Katarzyna Piter und Valentina Ivakhnenko sowie Lena Rueffer und Maryna Zanevska einiges. Auch auf die Partie Marie Benoit aus Belgien ist Mihai gespannt: „Sie ist immer für eine Überraschung gut.

Rene Weiss