Ma und Zanevska im Finale

Mit 6:1 hatte Maryna Zanevska den ersten Satz gegen Maja Chwalinska im gestrigen Halbfinale der AK ladies open gerade für sich entschieden, und alles deutete auf einen relativ lockeren Einzug der Belgierin ins Finale hin, aber auf einmal stand alles auf der Kippe. Im ersten Aufschlagspiel des zweiten Durchgangs ging Zanevska mit Kreislaufproblemen zu Boden, nahm sich später noch eine Behandlungspause und biss anschließend auf die Zähne. „Es war heute sehr hart. Ich hatte in der Nacht von Freitag auf Samstag schon nicht gut geschlafen und fühlte mich am Morgen richtig schlecht. Aber ich gebe alles, um Tennis spielen zu können“, sagte die 25-Jährige nach ihrem Zwei-Satz-Sieg gegen Chwalinska. Wesentlich knapper als der erste endete der zweite Satz (7:5 im Tiebreak) – aber Zanevska war es am wichtigsten, dem dritten aus dem Weg gegangen zu sein, denn: „Ich hätte nicht gewusst, ob und wie ich den geschafft hätte.“

Dieser dritte Satz wäre möglicherweise die große Chance der erst 17-jährigen Qualifikantin Chwalinska gewesen, die versuchte, die angeschlagene Zanevska ins Laufen zu bringen. Wer dachte, die junge Polin wäre mit dem Erreichten froh, sah sich getäuscht. Mit Tränen in den Augen trat sie ans Mikrofon. „Ich kann besser spielen als ich es heute gezeigt habe und bin traurig, dass es nicht gereicht hat.“ Chwalinska bedankte sich bei den Altenkirchener Turniermachern – wie eigentlich alle Spielerinnen – für eine großartig organisierte Woche, machte jedoch auch deutlich, dass sie großen Ehrgeiz und Ambitionen hat. Ob sie nächstes Jahr wieder käme? „Ich würde lieber auf größerer Bühne, bei größeren Turnieren spielen“, sagte sie und schmunzelte. Die Tränen standen trotzdem weiterhin in ihren Augen.
Der Lohn für Maryna Zanevskas Durchhaltevermögen: Nachdem sie im vergangenen Jahr bereits krankheitsbedingt das Halbfinale aufgeben und das Doppel-Endspiel absagen musste, kann sie nun nach der großen Trophäe in Altenkirchen greifen. Zanevska und die Chinesin Shuyue Ma schließen die sechste Auflage des mit 25.000 Dollar dotierten Weltranglistenturniers ab. Ma, die im Westerwald ihr erstes Turnier in Deutschland absolviert, kennt Zanevska nicht – das Gleiche gilt in umgekehrter Richtung. „Aber wer hier im Finale steht, befindet sich in einer guten Verfassung“, erwartet die an Nummer drei gesetzte Belgierin mit ukrainischen Wurzeln einen umkämpften Turnierabschluss. Ma macht sich derweil keinen Kopf. Die 19-Jährige genießt es, so weit gekommen zu sein. „Ich werde versuchen gutes Tennis zu spielen. Im Halbfinale ist mir das gelungen. Auch, weil so viele Zuschauer da waren“, erzählt die junge Frau aus Peking und beginnt so freundlich und herzerfrischend zu lächeln, wie sie in den vergangenen Tagen in Altenkirchen die Herzen vieler im Sturm erobert hat. Shuyue Ma ist der Gute-Laune-Faktor auf den Courts des SRS-Sportparks, sie begeistert mit ihrer unbekümmerten, natürlichen Art. „Sie ist hier, um dazuzulernen und ihr Spiel weiterzuentwickeln. Wir schauen nicht auf die Ergebnisse“, erzählt Mas rumänischer Trainer Iulian Vespan, für den es inzwischen schon Tradition geworden ist, nach den Siegen seines Schützlings von diesem noch auf dem Platz herzlichst umarmt zu werden. „Er ist mein Trainer – mein guter Freund“, erzählt Ma. Wer beide sieht, bekommt sofort vor Augen geführt, dass diese Spielerin genau weiß, dass sie ihrem Trainer viel zu verdanken hat.
Auch nach der Vorschlussrundenpartie stürmte Ma auf Vespan zu, schloss ihn strahlend in die Arme, nachdem sie die Belgierin Marie Benoit mit 6:4 und 6:2 besiegt hatte. Benoit brachte nur zwei von neun (!) Aufschlagspielen durch und nutzte ihrerseits lediglich 4 von 13 Breakchancen. Ma war konsequenter. Sie verwertete sieben von neun Chancen, ihrer Gegnerin den Service abzunehmen. „Sie hat gut und druckvoll gespielt“, sprach Benoit der Chinesin einen verdienten Sieg zu.